PRAXIS UTA BAMMEL
Psychotherapie (HP), Burnout-Therapie, Therapie von Essstörungen, Ernährungsberatung

Uta Bammel: Johann August Strindberg, ein schwedischer Autor, hat einmal gesagt: „Manche Ehe ist ein Todesurteil, das jahrelang vollstreckt wird“. Doch soweit muss es ja gar nicht erst kommen. Paare können sich begleitend oder auch vorbeugend beraten lassen. Die Paarberatung setzt mehr an der äußeren Kommunikationsform an. Hier geht es um Fragen wie die Partner beispielsweise miteinander reden, wie sie einen respektvollen, wertschätzende Umgang miteinander pflegen können. Die Paartherapie setzt tiefer an. Dabei lernen sich beide besser kennen, manchmal mit ganz erstaunlichen Ergebnissen. In meiner Praxis verfolge ich einen gesprächstherapeutischen psychodynamischen Ansatz. Hier gilt es herauszufinden, welche Verhaltensweisen jeder aus seinen früheren Beziehungen mitbringt, welche Kindheitserfahrungen gemacht worden sind und inwieweit der Partner vielleicht nur eine Projektionsfläche persönlicher Probleme ist. Das Interessante hierbei ist, dass sich die Partner in Gegenwart des anderen noch einmal anders, manchmal sogar neu, kennen lernen.

Blog-Redaktion: Was würden Sie sagen, ist das Wichtigste in einer Beziehung oder bei Beziehungsproblemen?

Uta Bammel: Es geht nie um Recht oder um Schuld. Es geht vielmehr um ein Sich- Gegenseitig-Verstehen, um konstruktive Diskussionen und nicht destruktiven Streit.

Blog-Redaktion: Haben Sie ein Beispiel?

Uta Bammel: Ja, ich hatte einmal ein Paar, das immer wieder Streit bekam, wenn Weihnachten oder Geburtstage anstanden. Sie wünschte sich so sehr Schmuck von ihrem Partner, er wollte keinen schenken. Irgendwann kam dann in der Therapie heraus, dass er in seiner Kindheit traumatisiert worden war. Seine Mutter hatte ihn immer mit einem dicken Ring am Finger geschlagen. Dessen war er sich aber selber nicht bewusst. Als das herauskam, war sie ganz gerührt und sehr betroffen, dass sie dies nicht eher gewusst hat. Doch er war sich dessen ja auch nicht bewusst. Sie hätte in jedem Fall versuchen können, zu verstehen, auch wenn er es nicht hätte beantworten können. Doch anstatt einfach nur enttäuscht zu sein und seine Reaktionen als persönlichen Affront aufzufassen, hätte sie sein Verhalten hinterfragen können.

Redaktion: Was sind die ersten Indikatoren, dass etwas in der Beziehung nicht gut läuft?

Uta Bammel: Wenn es vermehrt Streit um Kleinigkeiten geht. Das sind meist Stellvertreterkriege, die dann zu einer Grundunzufriedenheit des einen Partners oder beider führt. Ein weiterer Indikator ist, wenn jeder seinen Weg geht und keine qualitativ hochwertige Zeit mehr miteinander verbracht wird. Man funktioniert so nebeneinander her im Alltag. Auch psychosomatische Beschwerden wie Kopf-, Bauch- oder Rückenschmerzen können auf eine unglückliche Beziehung hinweisen. Nicht zu vergessen, das Essverhalten. Manche Menschen essen aus Frust ganz viel, andere gar nicht mehr. Wie heißt es doch so schön „Liebe geht durch den Magen“.... Und natürlich nachlassende Sexualität. Sie ist ein Gradmesser für die Beziehung – ein Symptom, selten die Ursache.

Blog-Redaktion: Wann sollten Paare bestenfalls zu ihnen kommen?

Uta Bammel: So früh wie möglich. Vielleicht sogar vor der Hochzeit...2017 gab es eine Studie zum Thema präventive Paartherapie. Verschiedene Punkte wurden mit den Paaren geübt. Die Kontrollgruppe ohne Therapie ließ sich in 50% der Fälle scheiden, mit Therapie nur 20 %. Es ist hilfreich, sich von Beginn an darüber zu verständigen und bewusst zu werden, wie die Partner miteinander reden wollen und dass sie sich bemühen, den anderen verstehen.

Blog-Redaktion: Das ist ja an und für sich immer hilfreich...

Uta Bammel: Ja, es kann nie schaden, auch Beratung oder therapeutische Hilfe vorbeugend in Anspruch zu nehmen. Da geht es dann um das Entdecken des eigenen Ichs, um sich selber besser kennenlernen, um seinen Lebensweg aktiv wirksam und nicht passiv zu gehen. Das trifft genauso auf sich selbst zu. Übrigens, wer sich selber besser kennt, hat auch eine höhere Chance, eine erfüllende Beziehung zu führen.

Redaktion: Und auf die Beziehung bezogen?
Uta Bammel: Da gilt das gleiche. Empfehlen würde ich einen „Beziehungs-TÜV“...

Ein Checkup, was rund läuft, was besser laufen könnte.Redaktion: Sie bieten das an?

Uta Bammel: Ja, in diesem Jahr soll es einmal einen Gutschein für Weihnachten geben, für eben solch einen Beziehungs-Checkup. Das hilft schon einmal ungemein, sich für manchmal schwelende „giftige“ Einflüsse zu sensibilisieren.